„Verdammt friedliche Leute“
Afghanische Community nach dem Morsal-Urteil„Verdammt friedliche Leute“
Als Ahmad Obeidi wegen Mordes an seiner Schwester Morsal verurteilt wurde, randalierte seine Familie im Gerichtssaal. Ob man wirklich von einem „Ehrenmord“ sprechen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander.
taz: Herr Shirdel, wie soll man sich die Reaktionen von Morsals Familie nach dem Urteil erklären?
Rafiq Shirdel: Die Familie hatte ein milderes Urteil erwartet, sie hatte gehofft, dass ihr Sohn wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verurteilt wird. Sie haben ja auch keine schlechten Anwälte gehabt.
Sie hatten Staranwälte. Einer davon, Thomas Bliwier, hat sein Mandat wegen dieser Beschimpfungen des Gerichts niedergelegt.
Die Familie war eben sehr enttäuscht. Auch der Anwalt hatte mit einem anderen Urteil gerechnet. Die Gutachterin hatte gesagt, der Junge ist krank. Eine Familie, die zwei Kinder verliert – ich weiß nicht, was man da fühlt.
Der Verurteilte nannte den Staatsanwalt einen „Hurensohn“.
Sie müssen noch etwas anderes sehen. Das sind Menschen, die in Afghanistan gelebt haben. Und in einem Land, in dem nur Krieg herrscht, musst du deine Rechte mit Gewalt erreichen. Dieses Gefühl haben sie immer noch, glaube ich.


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