Reportage aus Gaza-Stadt
Nahezu alles, was in Gaza verkauft wird, hat den Weg durch einen der 1500 Tunnel aus Ägypten genommen – egal ob Lebensmittel, Schulhefte oder Zahnspangen. Die Preise sind hoch, die bestellte Ware kommt oft unvollständig oder kaputt an, Garantien gibt es nicht.
Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Fast vor jedem Ladengeschäft auf den Bürgersteigen von Gazas Haupteinkaufsstraße, der Mushtir-Straße, laufen wieder die Generatoren. Tägliche Stromausfälle von acht bis zehn Stunden sind seit einigen Wochen wieder die Regel geworden.
Der Schreibwarenhändler: Zum Glück noch Restware aus Israel
Said Mhuada betreibt hier sein kleines Schreibwarengeschäft. Die Ladenregale sind säuberlich mit allen denkbaren Varianten von Schulheften, Ringblöcken, Farb- und Bleistiften und Malblöcken aufgefüllt. Auf die Frage, woher die Waren stammen, sagt Said: “Also, Reste aus früheren Jahren sind hier immer noch zu finden. Aber alles, was wir hier haben und besitzen, sind Waren aus den Tunneln.” Mit der Qualität der Tunnelwaren ist Said – wie nahezu alle Geschäftsleute in Gaza – unzufrieden. Er zeigt Plastikumschläge für DIN-A6 Schulhefte vor: Da stimme das Format nicht, mit denen ließen sich die Hefte gar nicht einschlagen. Aber zum Glück habe er noch alte Umschläge aufgehoben, die aus Israel stammten und von denen er Restbestände habe.