Collateral Murder

Veröffentlicht: 5. April 2010 von fareus in Irak
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WikiLeaks veröffentlichte am heutigen Montag ein seit Längerem angekündigtes Video, das das Fehlverhalten von US-Soldaten im Irak dokumentiert. Es zeigt, wie mehrere Zivilisten, darunter zwei Angestellte der Nachrichtenagentur Reuters, getötet werden.

Gerüchte über Fehlverhalten und mangelnden Respekt vor Leben und Gesundheit von Zivilisten auf Seiten der US-Truppen im Irak gibt es schon lange. Handfeste Beweise allerdings sind selten – das alte Sprichwort, dass in jedem Krieg die Wahrheit als Erstes stirbt, erweist sich auch hier allzu oft als zutreffend. Manchmal jedoch kommt die Wahrheit trotzdem ans Tageslicht. Heute gab es einen solchen Fall.

Die Whistleblowing-Website WikiLeaks, die bereits des Öfteren durch das öffentlich Machen von unangenehmen Wahrheiten Aufsehen erregten, kündigte die Existenz des fraglichen Videos bereits vor einigen Monaten an. Das Video war ihnen verschlüsselt von einer anonymen Quelle zugespielt worden. Mit Hilfe von Unterstützern gelang es WikiLeaks, das Video zu entschlüsseln und für die Veröffentlichung vorzubereiten. Die Ankündigung der Veröffentlichung auf Twitter sorgte offenbar für einiges Unbehagen bei den US-Behörden: Kurze Zeit später wurden Mitarbeiter von WikiLeaks durch US-amerikanische und isländische Geheimdienste verstärkt überwacht (gulli:News berichtete). Die Aktivisten ließen sich jedoch nicht beirren und veröffentlichten das brisante Video planmäßig heute Nachmittag mitteleuropäischer Sommerzeit im US National Press Club. Kurze Zeit später ging eine Website online, auf der Journalisten und Interessierte auf aller Welt den Film und entsprechende Hintergrundinformationen finden.

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Kommentare
  1. Collateral Murder – ein klarer Fall von Kriegsverbrechen. Die Männer, die in diesem Massaker erschossen werden, tun nichts Feindseliges, Gefährdendes. Der Mann, der mit seinem Wagen anhält, um einen Verwundeten zu versorgen, leistet einen Sanitätsdienst – es gibt keinen Grund, ihn abzuknallen. Die Mörder tun dies aus Mordlust. Einer bittet die Leitzentrale, es doch bitte tun zu dürfen … Hinzu kommt, dass man das Verbrechen vertuscht hat.

    Wie viele weitere solche Massaker haben die Amerikaner auf dem Gewissen? Hunderte? Tausende?

    Wird das Video Konsequenzen haben? – Vermutlich nicht. Amerikaner genießen in so etwas nahezu Immunität – sie dürfen morden und foltern.

    Immerhin hat die New York Times das Video auf der ersten Seite gebracht.
    Ich würde mir wünschen, dieses Video anzuschauen würde zur Pflicht.

    Allerdings, wenn ich an die PI-Machos denke … denen wird’s gefallen: die wären wohl selber gern in der Situation der Mörder und könnten wie im Video-Gewalt-Spiel “richtige” Feinde abknallen, ohne dabei selber in Gefahr zu geraten.

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