Leserbrief zum Bericht „Muslime verbinden Gewalt mit Ehre und Männlichkeit“

Veröffentlicht: 27. November 2010 von fareus in Migranten in Deutschland
Schlagwörter:, ,

Mit wachsendem Unmut verfolge ich die Art und Weise wie Familienministerin Schröder derzeit versucht sich in ihrem Amt zu profilieren. Da werden von ihr Studien in Auftrag gegeben, die ihre Thesen von „gewaltbereiten Muslimen“ unterstützen sollen, muss aber dabei sprachlos zusehen, wie die von ihr angeheuerten Experten gleich mehrfach bestätigen, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass die muslimische Glaubenszugehörigkeit in einem Zusammenhang zu Gewaltbereitschaft steht. Trotz dieser Belege von Experten sieht sich Frau Schröder noch immer im Recht, was man durchaus schon als Realitätsverweigerung betrachten kann.

Für mich als Studienrat, Deutscher und Muslim sind Frau Schröders Phrasen auch eine Form von öffentlicher Diskriminierung einer ganzen Glaubensgemeinschaft. Probleme mit dem Rollenverständnis von Migrantenjugendlichen oder der Umgang mir Gewalt sind in aller erster Linie der Bildungsferne, der erzieherischen Überforderung der Elternhäuser und deren traditionellen Verständnis von Geschlechterrollen und Ehre geschuldet. Auch spielen Ausgrenzungserfahrungen und fehlende Bildungschancen eine gewichtige Rolle.

Hinzu kommt das Verständnis vom eigenen Glauben, das in den Familien oft nur begrenzt ist, denn der islamische Glaube lehrt auch, sich gegenüber seinen Mitmenschen respektvoll und friedlich zu verhalten und sich zu bilden.

In der Tat kann ein deutschsprachiger Islamunterricht da eine wichtige Funktion übernehmen, er kann aber nicht als Allzweckwaffe für gravierende Erziehungs- und Bildungsprobleme gesehen werden.

Zudem wünsche ich mir von Frau Schröder mehr Engagement gegen die wachsende Muslimfeindlichkeit in der Bevölkerung, anstatt mit selbst aufgestellten Thesen über Muslime diese noch anzuheizen.

Ali Bas
Sprecher Arbeitskreis Grüne Muslime NRW
Ahlen

Kommentare
  1. FREIHEIT sagt:

    Danke Her Bas, sie sprechen mir aus dem Herzen.

    Der Glaube hat nun wirklich nichts damit zu tun. Das ist pure Propaganda! Rechtspropaganda! Die ich nicht akzeptieren/dulden will und werde.
    Mich macht es so zornig. Statt Hilfe anzubieten, wenn es brennen sollte, wird mit dieser Propaganda seitens unserer Regierung noch Holz ins Feuer gegeben.

    Meine Kinder haben einen großen Freundeskreis und darunter sind auch Menschen anderer Nationalitäten. Viele haben ihren Abschluss oder nun ein Abitur. Wer Schwierigkeiten hatte, dem wurde geholfen. Untereinander! Und das in Berlin-Kreuzberg!!! Sowas? Wie ist das nur möglich?!😉

    Das ganze Bildungssystem ist marode. Meine Kinder (2 gehen nun auf die Fachoberschule) sind ebenfalls davon betroffen und müssen sich durch kämpfen. Ein Recht auf Bildung ist nicht mehr Realität. Elitenförderung ist mächtiger, als jedem das gleiche Recht auf Bildung zu gewähren. Zu viele Stunden fallen aus und der Stoff muss selbstständig nachgeholt werden. Unterrichtstunden erfolgen immer wieder ohne Begleitung eines Lehrers, denn sie sind krank und eine Vertretung gibt es nicht. Entweder wird der Stoff per Zettel in die Klasse rein gereicht und soll selbstständig erarbeitet werden oder der Unterricht er fällt einfach aus.

    Diese Spaltung und die Hetzjagd beunruhigt mich und ich werde mich weiterhin mit den „Verfolgten und Schwachen“ solidarisieren.

    Anbei sorgt unsere Regierung dafür, dass es Rückwärts läuft mit der Gleichberechtigung der Frau. Liebend gerne würden sie uns wieder nur daheim und am Herd stehen sehen.

    Ich bin mit Leib und Seele gerne Mutter, nur wünsche ich mir auch die Anerkennung für diese Leistung seitens des Staates und würde auch noch ein Leben danach führen wollen, ohne als Bittstellerin vom Staat abhängig sein zu müssen. Habe ich nach 4 Kindern noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt!? Unter den momentanen Bedingungen möchte ich das bezweifeln.

    LG Daniela Krüger

  2. Johannes sagt:

    Es gibt durchaus seriöse Publikationen, die beschreiben (nicht verurteilen!) wie Männer in der Türkei typischerweise aufwachsen. Dass dabei Gewalt auch in patriarchalischen Familien eine Rolle spielt, sollte nicht verleugnet werden – manche (nur MANCHE!) migrantischen Jugendlichen geben diese Gewalt weiter – über solche Zusammenhänge sollte man durchaus diskutieren.

    Johannes

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s