Mit ‘Verlierer unserer Gesellschaft’ getaggte Beiträge

Böse Überraschung vom Amt

Stefan J. (23) liebt Überraschungen, aber mit dieser hatte er dann doch nicht gerechnet: Dem Hartz-IV-Empfänger droht eine Kürzung der Bezüge, weil er Figuren aus Überraschungseiern sammelt.

Das erste Schokoladenei bekam er geschenkt, als er fünf war und mit seiner Mutter von Jena nach Detmold zog: »Da war dieser Zwerg drin«, sagt Stefan J. und greift zielsicher nach einer Figur, die neben vielen anderen auf dem Wohnzimmertisch stehen. 400 habe er insgesamt, erzählt der Arbeitslose, der mit seiner erwerbsunfähigen Mutter zusammenlebt. »Diese Figuren sind unser einziges Hobby«, erzählt der Sohn, der von jedem Wochenendeinkauf zwei Überrraschungseier mit nach Hause bringt – allerdings nicht, ohne sie vor dem Kauf geschüttelt zu haben: »Wenn man einen dumpfen Schlag hört, ist kein Bausatz drin, sondern eine Figur.« J. ist offenbar ein Experte: »Ich habe sogar schon Fälschungen entlarvt.«

Die Leidenschaft des Detmolders blieb der Behörde »Lippe Pro Arbeit« nicht verborgen, denn Stefan J. und vier weitere Sammler präsentieren ihre Ü-Ei-Figuren auf einer gemeinsamen Internetseite. J.: »Die Beamten gehen wohl davon aus, dass ich teure Sammlerstücke besitze, denn in sechs Wochen haben Mitarbeiter des Amtes 188 Mal auf unsere Internetseite zugegriffen!« Im April bekam der 23-jährige schließlich Post von der Behörde: »Ich sollte den Wert meiner Sammlung angeben. Am Telefon wurde mir gesagt, dass meine Bezüge dann entsprechend gekürzt würden.«

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Von falschen Schuldzuweisungen und notwendigen Tabubrüchen in der Debatte um das hellenische Finanzdebakel

Es ist, also wohnte man einem rituellen Schlachtopfer bei: Da wird uns ein Land vorgeführt, welches alle Übel und Krankheitserreger der Zeit in sich trägt – korrupt bis in die Knochen, faul, verschlagen, verschwenderisch. Ganze Heerscharen von Staatsbeamten liegen dem Staat auf der Tasche, die halbe Bevölkerung lebt in Pension, kein Wirt zahlt Steuern – ein Abschaum von Land! Sogar Investmentbanker ekelt es noch beim Aussprechen des Urteils: „Griechenland hat über seine Verhältnisse gelebt!“ In seiner öffentlichen Strafung wird Heilung für ganz Europa liegen.

Sündenbockphänomene treten vor allem in religiös-ideologisch fundierten Gesellschaften auf, die stark dazu neigen, ihre eigenen Grundfesten zu tabuisieren. Das Opfern des Sündenbocks hat die Funktion, nichts am System ändern zu müssen, sondern die bedrohte Ordnung wieder herzustellen. Erstaunlich, wie das auch im angeblich säkularen Informationszeitalter funktioniert. Mystifizierungen, Halbwahrheiten und offene Lügen setzen sich als politische Kategorien durch. Welche Tatsachen werden am Beispiel Griechenland im öffentlichen Diskurs tabuisiert?

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Krise hin oder her – Deutschland steht im Vergleich zu anderen Staaten wirtschaftlich immer noch brillant da. Das zeigt nicht zuletzt die riesige Hilfszusage für andere Euroländer, zu der die Bundesrepublik immerhin in der Lage ist. Und da, wo es dem Staat gut geht, leben auch seine Bürger nicht schlecht. Doch obwohl es laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Gering- wie Gutverdienern in den vergangenen Jahren besser ging, steigt gleichzeitig die Einkommenskluft in der Gesellschaft. Eine Entwicklung, die trotz allem Wohlstands sozialen Sprengstoff in sich birgt. Laut OECD sind die nominalen Durchschnittslöhne hierzulande von 2000 bis 2009 um fast 20 Prozent gestiegen. Zudem liege die Abgabenlast für alle Haushaltstypen unter dem Niveau des Jahres 2000.

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Dank an Muka.

Alle Hartz-IV-Empfänger unter 25 sollen künftig binnen sechs Wochen vermittelt werden. Bei Ablehnung werden Leistungen gekürzt. So jedenfalls hat es Guido Westerwelle angekündigt

Junge Hartz-IV-Empfänger sollen in Zukunft innerhalb von sechs Wochen ein verpflichtendes Arbeits- oder Fortbildungsangebot erhalten. So hat es der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle angekündigt. Eine Ablehnung werde eine Kürzung der Hartz-IV-Zahlungen zur Folge haben, sagte der Außenminister und Vizekanzler in der Bild am Sonntag.

Entsprechende Änderungen der Hartz-IV-Regelungen wolle die Bundesregierung am Mittwoch im Kabinett verabschieden. Darauf habe sich die Koalition am Freitagabend verständigt, berichtet das Blatt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich telefonisch zugeschaltet.

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